Die drei großen F

Welcher Angst-Typ bist du?

Nun geht´s weit zurück in die menschliche Entwicklungsgeschichte…

Es gibt verschiedene Reaktionen, die unser Körper zeigt, wenn wir Angst haben: Angriff (fight), Flucht (flight) und Starre (freeze). Diese Reaktionen sind tief in unserem Überlebensinstinkt verankert und haben in der Natur wichtige Funktionen. Was bedeuten sie und warum ist die Starre-Reaktion am schwierigsten zu verarbeiten?

Was geschieht bei Angst im Körper?

Angst ist eine natürliche Reaktion unseres Körpers auf Bedrohungen. Stell dir vor, du gehst nachts alleine durch einen dunklen Wald und hörst plötzlich ein Geräusch hinter dir. Sofort wird dein Körper aktiv, um dich auf eine mögliche Gefahr vorzubereiten.

Wenn du Angst hast, spielen vor allem zwei Bereiche in deinem Gehirn eine wichtige Rolle: die Amygdala und der Hypothalamus. Die Amygdala erkennt die Gefahr und alarmiert den Hypothalamus. Dieser setzt dann eine Reihe von Reaktionen in Gang, um dich zu schützen.

Der Hypothalamus schickt Signale an die Nebennieren, die sich oberhalb der Nieren befinden. Diese Signale lösen die Freisetzung von Stresshormonen wie Adrenalin und Noradrenalin aus. Diese Hormone haben verschiedene Wirkungen auf deinen Körper:

1. Adrenalin: Es wird schnell ausgeschüttet und sorgt dafür, dass dein Herz schneller schlägt und deine Atmung intensiver wird. Dadurch bekommen deine Muskeln mehr Sauerstoff und Energie, um entweder zu kämpfen oder wegzulaufen – das nennt man auch die „Kampf-oder-Flucht-Reaktion“.

2. Noradrenalin: Es unterstützt die Wirkung von Adrenalin und hilft, deine Aufmerksamkeit und Wachsamkeit zu steigern. Dein Körper ist jetzt bereit, schnell auf die Gefahr zu reagieren.

3. Cortisol: Neben Adrenalin und Noradrenalin wird auch Cortisol freigesetzt, vor allem bei langanhaltender Angst oder Stress. Dies führt zu einem ständigen Dauerstress (einem hohem Stressarousal). Cortisol kommt ebenfalls aus den Nebennieren und hilft deinem Körper, länger unter Stressbedingungen zu funktionieren, indem es den Energiehaushalt reguliert. Nachteil: so richtig zur Ruhe kommt man damit nicht. Schlafstörungen können die Folge sein, diese wiederum reduzieren unsere REM-Schlafphasen und das wiederum führt zu Übermüdung und Dauerstress…Du kennst das vielleicht?

Zusammengefasst: Angst ist eine Schutzreaktion deines Körpers, die von deinem Gehirn gestartet wird. Sie führt zur Freisetzung von Hormonen wie Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol aus den Nebennieren, die dich darauf vorbereiten, schnell und effektiv auf Gefahr zu reagieren.

Angriff / fight

Wenn wir uns bedroht fühlen, können wir kämpferisch reagieren, um uns zu verteidigen. Diese Reaktion ist besonders nützlich, wenn wir in einer Situation sind, in der wir uns wehren müssen, z.B.einem Angriff. Unser Körper schüttet Adrenalin aus, was uns stärker und fokussierter macht. Wir gehen in die Aktion und sind somit handlungsfähig.


Flucht / flight

Eine der häufigsten Reaktionen auf Gefahr ist die Flucht. Wenn wir weglaufen, versuchen wir, uns so schnell wie möglich in Sicherheit zu bringen. Adrenalin und Noradrenalin sorgen dafür, dass unser Herz schneller schlägt und wir schneller und länger rennen können. In der Natur hilft uns die Flucht, gefährlichen Situationen zu entkommen. Wir gehen auch hier in die Aktion und sind somit handlungsfähig.


Starre / freeze

Manchmal erstarren wir vor Angst. Diese Reaktion ist in der Natur nützlich, wenn wir uns verstecken müssen oder wenn ein Raubtier darauf reagiert, dass Beute sich bewegt. Es ist eine Art letzte Verteidigungslinie, wenn Angriff oder Flucht nicht möglich sind. Unser Körper schüttet dabei auch Stresshormone aus, aber wir können uns nicht bewegen und sind wie gelähmt: wir sind wie eingefroren: freeze.

Die Starre-Reaktion ist oft mit Gefühlen der Hilflosigkeit und des Ausgeliefertseins verbunden. Menschen, die zu dieser Reaktion neigen, können sich sehr machtlos fühlen und haben Schwierigkeiten, aus diesem Zustand herauszukommen. Oft stecken tiefsitzende Ängste und traumatische Erfahrungen dahinter, die diese Reaktion auslösen. Es braucht Zeit und behutsame Methoden, um diesen Menschen zu helfen, wieder Kontrolle über ihre Reaktionen zu gewinnen und neue, positivere Bewältigungsstrategien zu entwickeln.

Da wir wie gelähmt sind, ist es sehr schwierig, in die Handlungsfähigkeit zu kommen. Menschen, die in den Freeze gehen, können lernen, sich selbst so gut zu lesen, dass sie spüren: jetzt gehe ich in den Freeze - JETZT KANN ICH NOCH AKTIV WERDEN. Das ist eine echte Herausforderung und bedarf einiger Traumaverarbeitung und Selbsterfahrung - und Mut.

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Der erste Schritt gegen deine Flugangst