Der erste Schritt gegen deine Flugangst
Der erste Schritt gegen deine Flugangst
Sei ehrlich zu dir selbst
Wenn ich Angst habe, weiß ich eigentlich ganz genau, wovor ich Angst habe. Ich weiß genau, was meine inneren Organe zusammenziehen lässt, mich fahrig und abgelenkt sein lässt. Welche Gedanken mir durch den Kopf gehen. Und klar – ich kann jetzt atmen und Pillen schlucken oder auf und abgehen – das Wichtigste ist aber: SEI EHRLICH ZU DIR SELBST.
Angst erkennen und benennen
Was meine ich damit?
Gestehe dir ein, wovor du wirklich Angst hast!
Bei mir war das nicht, abzustürzen, sondern tot zu sein. Zu sterben. Ich hatte Todesangst in diesem Flugzeug.
Und das hört sich so wahnsinnig dramatisch an und ist ja irgendwie auch irrational (wirklich?) und das will ich mir gar nicht so recht eingestehen… Aber es hilft!
Sich einzugestehen: Ja, ich habe TODESANGST, ich habe Angst, zu sterben, und das will ich noch nicht und das fühlt sich SCHEISSE an! Das ist der erste Schritt gegen die Angst.
Vielleicht hast du eine andere Angst:
Verlust-Angst, weil du deine liebsten Menschen nicht wiedersehen wirst
Versagens-Angst, weil du ein „Versager“ bist, wenn du dich „nicht einmal“ in ein Flugzeug traust
Alles ist genau so legitim, tief verankert und berechtigt, wie jede andere Angst auch.
Es gehört MUT dazu, sich seine Angst einzugestehen!
Vielleicht hast du gelernt, dass du stark und tapfer sein musst, dass du über deinen eigenen Schatten springen und deine Gefühle zu ignorieren hast? Sich dann einzugestehen, dass du diese Gefühle hast, ist wirklich mutig und eine echte Leistung.
Du darfst dir also sagen: "Das habe ich gut gemacht: Ich habe meine Angst beim Namen genannt."
Gefühle annehmen und mit der Angst arbeiten
Du kannst (und darfst) dir als zweiten Schritt sagen: „Auch wenn ich diese Angst (zu sterben, zu versagen…) habe, nehme ich mich mit diesem Gefühl an.“
Das Annehmen der eigenen Gefühle muss manchmal erst mühsam wieder erlernt werden, wenn du gelernt hast, deine Gefühle zu ignorieren oder zu unterdrücken.
Ich habe bis jetzt bei JEDEM meiner Klienten Bereiche entdeckt, bei denen sie lernen durften, ihre Gefühle wieder zuzulassen. Du darfst also wirklich stolz auf dich sein!
Nun kannst du mit diesem Gefühl (Angst vor…) beginnen zu arbeiten.
Angst und Trauma zeigen sich immer über den Körper (Magendrücken, Ziehen in der Brust, Atemnot, Zittern…) – deshalb ist es wichtig, diese Symptome mit einzubeziehen und auch körperlich (klopfen, atmen) mit der Angst, dem Trauma umzugehen, um die Symptome – und damit das tatsächliche Trauma – aus dem Körper zu bekommen.
Praktische Übung: Klopfen/Tappen gegen die Angst
Wie gehst du jetzt vor?
Fühle in deinen Körper hinein, was dieses Gefühl bei dir macht, z.B. „Es zieht meinen Magen zusammen, es schnürt meine Kehle zu, ich zittere am ganzen Körper.“
Benenne deine Angst und spüre deine Gefühle: „Ich habe Angst zu …… und nehme mich damit an.“
Nun tappst du dich: Überkreuze deine Arme und lege deine Hände entweder auf deine Schultern oder an deine Ellenbogen oder lege sie auf deine Oberschenkel.
Nun tappst du abwechselnd links und rechts auf deinem Körper. In einem ruhigen Tempo, das sich für dich gut anfühlt.
Spüre dabei insbesondere die Bereiche deines Körpers, die deine Angst widerspiegeln.
Wiederhole das, bis du eine Veränderung im Körper spürst (Erleichterung, Atemwelle, die Angst wird weniger oder diffuser).
Das kann zwei, drei Minuten dauern. Lass dir Zeit und spüre in deinen Körper.
Gib auf dich acht!
Wenn du eine Veränderung gespürt hast, atme tief ein und aus.
Spüre in deine Angst hinein. Wie geht es dir jetzt?
Es kann hilfreich sein, sich vor der Übung und im Anschluss Notizen zu machen: Welche Gefühle spüre ich und was fühlt sich wie in meinem Körper an? Und was hat sich nach der Übung verändert?
Wann solltest du dir Unterstützung holen?
Mit dieser Methode kannst du dich deiner Angst nähern und stellen – und so nach und nach kleiner werden lassen.
ACHTUNG: Gib gut auf dich acht! Auch wenn diese Methode zur Selbstberuhigung gedacht ist, gehe behutsam und langsam vor!
Wenn du Sorge oder Bedenken hast, dich deiner Angst zu stellen, wenn du Panikattacken bekommen könntest oder deine Angst zu schlimm ist, dann suche dir eine Therapeutin oder eine gute Coach!
Übung für den Alltag: Umgang mit Gefühlen trainieren
Du möchtest erst einmal üben?
Gibt es eine Begegnung in deinem Alltag, bei der du sehr wütend oder beschämt oder unsicher warst? Dann kannst du auch hier das Gefühl herausarbeiten: Wut, Scham, Unsicherheit… und an diesem Alltagsbeispiel den Umgang mit deinen Gefühlen üben – und auch spüren, wie das Gefühl immer kleiner wird.
Du hast Fragen?
Dann schreibe mir gerne! Ich freue mich, von dir zu hören!